Eine Kirchenführung durch die  Pfarrkirche:                                                                        

 

 

Über Gestalt und Aussehen des ältesten Gotteshauses von Altenmarkt wissen wir nichts. Aller Wahrscheinlichkeit nach aber lag es unter der heutigen Kirche. Zwar zählt das Kirchweihfest Unserer Lieben Frauen Geburt (8. September) nicht zu den alten Muttergottestiteln; die frühe schriftliche Bezeugung (1074) sowie die charakteristische Lage am Südostrand der Siedlung lassen aber die dritte der Pongauer Mutterpfarren neben Pfarrwerfen und St. Veit in der 2. Hälfte des 9. Jahrhunderts entstanden denken. Wie selten einmal kann der vorhandene Baubestand mit einer bedeutenden historischen Persönlichkeit verknüpft werden. Es ist dies Pfarrer Reicher von Etling, der von 1369 bis 1399 hier nachweisbar ist. Am Hofe des kunstsinnigen Erzbischofs Pilgrim II. spielt Reicher gleichzeitig als Kaplan und später als Hofmeister (oberster Verwalter) eine große Rolle. In den Liedern des „Mönchs von Salzburg“ wird er namentlich erwähnt.

Den weitreichenden Verbindungen dieses versierten Mannes verdankt Altenmarkt den Neubau seiner Kirche. Zahlreiche, von ihm erwirkte Ablassbriefe lassen ab 1393 auf eine rege Bautätigkeit schließen. Überdies stiftete er 1395 noch die Annakapelle. Erst am 28. Mai 1418 hielt Bischof Engelmar Chrel von Chiem­see Kirchweihe. Vermutlich in den Bauernkriegen (1526) beschädigt, erlitt die Kirche durch wiederholte An- und Umbauten wesentliche Veränderungen (s. unten). 1867–1875 wurde sie im Sinne der Neugotik durchgreifend restauriert. 1988–1990 konnten bei der letzten Innenrestaurierung die Begleitmalereien im Gewölbe erneuert werden. Das gesamte Äußere wurde 1985/86 saniert.

 

Das Äußere
Die lebendig gegliederte Baugruppe, die zwischen der Annakapelle und dem 1755 neu erbauten Dechantshof die mächtige Pfarrkirche birgt, zählt zu den reizvollsten des Landes. Der etwas aus der Achse gerückte Westturm erhielt 1764 durch Matthias Pichler aus Hallein seine bestehende Form: die rund­-bogi­gen Schallfenster mit den hoch sitzenden Zifferblättern und der gestreckten Zwie­belhaube ersetzten damals den gotischen Spitzhelm (ähnlich wie Hüttau).
Den 42 m langen und 22 m breiten rechteckigen Bau gliedern Strebepfeiler, die nur im südöstlichen Bereich fehlen. Das Presbyterium ist als seichter 3/8-Schluss ausgebildet; seitlich hiervon schließt keine Nebenapsis an.

 

Das Innere
Ebenso wie im Äußeren weist auch der Innenraum der Pfarrkirche zahlreiche Sonderformen Salzburger Spätgotik auf. Der siebenjochige Raum zeigt eine basilikale Anlage der offenen Ordnung, d. h. je ein Joch des Mittelschiffes entspricht einem solchen des Seitenschiffes. Alle Joche sind kreuzrippengewölbt. Der ungewöhnlich tief sitzende Chorbogen (zwischen 4. und 5. Joch!) scheidet die Architektur des Raumes. Vermutlich umfasste der romanische Vorläufer nur das bis hierher reichende Mauerwerk des Mittelschiffes, während die restlichen drei Joche und der Altarraum im letzten Jahrzehnt des 14. Jahrhunderts angebaut wurden.
Dies würde auch erklären, warum nicht nur die Höhe des Mittelschiffes östlich des Chorbogens jene des rückwärtigen Teiles um 1 m übersteigt, sondern auch warum die Gewölbeansätze verschieden hoch liegen und die Ausbildung der Dienste westlich des Chorbogens viel kräftigere Formen zeigt (vgl. Pfarr­kirche von Kuchl).

 

Im Laufe der Jahrhunderte erfuhr dieser Raum zahlreiche An- und Umbauten. Beide Seitenschiffe waren noch im 16. Jahrhundert um zwei Joche kürzer; an der Nordseite befand sich die 1502 geweihte Kapelle zu Ehren der hll. And­-reas, Wolfgang und Ursula, während im südlichen Seitenschiff die Josefs­kapelle sowie die Sakristei untergebracht waren. 1638 wurden sie auf die gegenwärtige Länge erweitert. Hierbei wurde der unter der heutigen Sakristei gelegene Zugang zu der kleinen Krypta unter dem südlichen Seitenschiff vermauert, sodass diese zugeschüttet werden musste. Diese Krypta gehörte demnach dem Typus der Pongauer Einraumkrypten an, die, nur von außen betretbar, sich heute noch in Bischofshofen, St. Veit und ehemals auch in Pfarrwerfen befanden. Auch die Dekorationsmalereien im Gewölbe der Kirche stammen aus dieser Zeit.
Unter Dechant Sebastian Vorderegger wurde die Kirche 1762 mit einer guten Barockausstattung versehen. In das Mittelschiff ragten damals vorne zwei schwerfällige Holzemporen hinein. Diese ließ 1867–1875 Dechant Dr. Thomas Furthner samt dem Großteil der Barockausstattung entfernen. Er öffnete die drei vorderen Joche der Seitenschiffe zum Mittelschiff hin, sodass sie gleich lang wie das Mittelschiff wurden. Er versah diese mit dem neogotischen Kreuzrippengewölbe und die Fenster mit einem Maßwerk. Auch Empore, Pflasterung, Kirchenstühle und die Kanzel entstammen dieser gründlichen Umgestaltung.

Die Einrichtung
Den Eindruck des Innenraumes prägen weitgehend die Restaurierungen der letzten 120 Jahre. Den optischen Hauptakzent der Kirche bestimmen die farbstarken Fenster, die Josef Widmoser (Innsbruck) 1954 gemalt hat. Das Mittelfenster zeigt zuoberst zwei Engel mit den Mariensymbolen Lilie und Krone, dann die Geburt Mariens (Patrozinium!), die Verkündigung sowie die Beweinung Christi. Das linke Fenster behandelt Themen aus dem Leben der hl. Elisabeth von Thüringen (Armenpflege, Vertreibung aus der Wartburg, Rosenspende); das rechte ist dem Diözesanpatron St. Rupertus gewidmet (Taufe Herzog Theodos, Kreuzaufrichtung, Tod).
Das Ensemble des Hochaltares wurde 1972 nach einem Entwurf von Prof. Clemens Holzmeister neu gestaltet (1996 geringfügig geändert, heute Zelebrationsaltar). Neben dem bewegten Barockkreuz von Sebastian Eberl (Neumarkt) stehen die beiden Assistenzfiguren Johannes und Maria, die vermutlich der Kitzbüheler Bildhauer Josef Martin Lengauer (um 1760) geschaffen hat. Den schlichten Tabernakel fertigte H. Baudisch (Bad Ischl).
Das qualitätvolle Marmorkommuniongitter stammt noch aus der barocken Umgestaltung von 1762. Gleichfalls aus dieser Zeit stammen die guten Plastiken der hl. Sebastian (gegenüber der Kanzel), Katharina und Barbara (alle Seb. Eberl), während das im Pfarrhof befindliche Blatt des ehem. Josefsaltares sowie das Porträt Erzbischof Sigismunds Graf Schrattenbach dessen Kammerdiener Benedikt Werkstätter zuzuordnen ist.

 

Die beiden Seitenaltäre (links Muttergottesaltar, rechts Josefsaltar) lieferte der Salzburger Bildhauer Johann Piger unter Mitarbeit von Johann Ripper 1902. Am linken Seitenaltar steht eine Kopie der Altenmarkter Gnaden­madonna, daneben die Figuren der hll. Dominikus und Katharina von Siena. Die Statuen des rechten Seitenaltares zeigen den hl. Joseph, flankiert von den Eltern Mariens, Anna und Joachim.

Die beiden figuralen Glasfenster neben den Seitenaltären (links hl. Leonhard, rechts Taufe Jesu darstellend) stammen von Ludwig Eßl/Salzburg (1954). Für je ein Joch des Mittelschiffes lieferte 1955 ff. Martin Helminger aus See­kirchen eine lebensgroße Apostelstatue.

 

Anlässlich der 900-Jahr-Feier der Pfarre wurde 1974 die zweite Orgelempore abgetragen und die neue „Jubiläums-Orgel“ (von Dreher & Reinisch, Salzburg) auf die erste Empore gesetzt. 1976 wurden die Beichtstühle nach Plänen von C. Holzmeister neu gestaltet.

 

Die reich ausgestattete Kanzel fertigte 1872 nach dem Entwurf von Arch. Josef Wessicken der Salzburger Tischler Josef Ripper.

 

Der bemerkenswerte Kreuzweg wurde 1873 vollendet. Nach den bekannten Vorlagen von J. Führich (Wien) schnitzte ihn vermutlich der in Salzburg ansässige Zillertaler Bildhauer Matthäus Schiestl d. Ä.

 

Annakapelle
Pfarrer Reicher von Etling stiftete 1395 „auf dem Karner“ im Friedhof neben der Pfarrkirche die Annakapelle. Der elegante, hohe Baukörper zeigt einen achteckigen Grundriss, der sich nur an einer Seite zu einem schmalen Altarraum öffnet. Das Stichkappengewölbe ruht auf zarten Diensten. Den ursprünglich freistehenden Bau schloss außen nach oben unter dem Kaffgesimse ein gemalter Fischblasenfries ab.
Dieses Juwel gotischer Architektur ragt weit aus der gleichzeitigen heimischen Bautätigkeit heraus und ist ohne die böhmischen Vorläufer (vor allem die Fronleichnamskirche sowie die Kapelle der Augustiner Chorherren, beide in Prag in der Epoche Karls IV., um 1350, erbaut) nicht denkbar.
In den Bauernkriegen 1525/26 schwer beschädigt, wurde die Kapelle kurz darauf mit einem zweistöckigen Verbindungsgang an die Kirche angegliedert. 1949 wurde sie zur Taufkapelle umgestaltet. Die 1989/90 vollendete Restaurierung förderte nicht nur das als Beinhaus verwendete Untergeschoß der Kirche zutage; es konnte auch ein neuer Boden verlegt und die Rippen freigelegt werden. Seitdem dient sie nicht mehr als Taufkapelle, sondern als Aussegnungshalle (Taufstein in die Kirche versetzt). Die figuralen Glasfens­ter mit den Themen Gottvater, Hl. Geist, Muttergottes mit Kind und Mutter Anna mit Kind gestaltete 1955 Ludwine Wildner-Eltz.

Lourdeskapelle
Der als Lourdeskapelle umgebaute ehem. Karner erhielt 1875 seine heutige Gestalt. 1949 ließ Dechant J. Fink das Kriegergedächtnismal in der westlichen Vorhalle (rechte Stirnwand) gestalten, zu dem Jakob Adlhart (Hallein) 1974 das gotische Vesperbild in Stein kopierte. An der Westmauer daneben ist noch das romanische Portal der Vorgängerkirche sichtbar.

 

Marktkapelle
Die 1991 rechts neben dem Friedhofseingang neu errichtete Marktkapelle birgt das restaurierte Marienrelief vom ehemaligen neugotischen Hochaltar. Bild­thema ist, entsprechend dem Patrozinium der Pfarrkirche, die Geburt Mariens, wie sie auch auf dem später entstandenen Mittelfenster im Kirchenchor dargestellt ist. Das Relief fertigte 1871 ein unbekannter Bildhauer in der Salzburger Werkstatt des Kirchenmalers Simon Daun. Die alte, ursprünglich weiter links stehende Marktkapelle musste abgerissen werden, nachdem sie 1938 beim Einmarsch der deutschen Truppen in Österreich schwer beschädigt worden war.

Tannenkapelle
Beim Dechantshof (südlich der Kirche) steht die 1974, im Jahr des 900-jährigen Pfarrjubiläums erbaute Tannenkapelle. Mit dem gleichzeitig gemalten Wandbild der „Madonna von der Tanne“ soll die Kapelle „das Gedächtnis und die Liebe zu Maria unserer Lieben Frau von Altenmarkt“ bewahren

Glocken: Drei der vier Glocken des „Salve Regina“-Geläutes
(c – es – f – g) mit einem Gesamtgewicht von 4820 kg wurden 1949 von der Firma Pfundner in Wien gegossen; die vierte stammt noch von 1920 (Firma Oberascher, Salzburg).

 

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